Nachtvögel

Wenn der Frühling in den Sommer übergeht und die Sonne gerade untergegangen ist, besteht die Chance auf Vögel zu treffen, die man ansonsten nur selten sieht. Zwischen Nesseln und Wiesen-Kerbel hört man einen Sumpfrohrsänger singen. Man merkt, dass er gut darin ist andere Vögel nachzuahmen. Flussuferläufer, Blaumeise und Schwalbe werden am laufenden Band imitiert, genauso wie eine Reihe an anderen unbekannten Arten, deren Laute er vielleicht in Afrika aufgeschnappt hat? Aus allen Richtungen hört man Nachtigallen und in der Ferne hört man einen Wachtelkönig.

 

Kärrsångare Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandSumpfrohrsänger, © Lars Lundmark

Näktergal Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandSprosser, © Lars Lundmark

In einer Frühlings- oder Vorsommernacht draußen zu sein um nachtaktive Vögel zu hören fügt der Vogelbeobachtung eine neue Dimension hinzu. Man beobachtet keine Vögel – man hört zu. Die Nacht ist voll von Geräuschen und nicht alle kommen von Vögeln.

Damit man vom Hören der Vogelstimmen in der Nacht am meisten hat, sollte man sich mit den Vogelstimmen auskennen. Natürlich ist es auch wichtig zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Am besten, wenn das richtige Wetter herrscht. Die besten Wetterverhältnissen hat man, wenn es windstill ist und es für die Jahreszeit zu warm ist. Gerne nach einer Zeit mit etwas schlechterem Wetter.

In der Nacht hört man vor allem die Männchen der Arten, die die stillere Zeit des Tages nutzen um ohne Konkurrenz die Weibchen anzulocken, die ungesehen über ihnen vorbei ziehen. Das bedeutet, dass sie erst beginnen zu singen, wenn es so dunkel wie möglich geworden ist wie jetzt im Vorsommer. In den ersten Stunden nach Sonnenuntergang ist es noch merklich still und erst nach Mitternacht steigen die Aktivitäten des Gesanges an. Die Stunde vor Sonnenaufgang ist für gewöhnlich die beste.

Auto oder Fahrrad?

Die beste Art, die öländische Vogelnacht zu erleben ist, sich länger an einem Ort aufzuhalten oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Der Nachteil dabei ist, dass man nicht so große Flächen abdecken kann. Mit dem Auto schafft man größere Gebiete aber verpasst die Vögel während der Fahrt. Bei ruhigem Wetter ohne Wind hört man jedoch die meisten Vogelarten von weitem – Wachtelkönige und Nachtigallen sogar kilometerweit. So ist ein Stopp alle 2 Kilometer für einen 5 minütigen Aufenthalt gut geeignet.

dnäktergal Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandNachtigall, © Lars Lundmark

Wohin sollte man fahren?

Was Öland in Bezug auf die Nachtvögel wirklich bekannt gemacht hat ist die Ansammlung einer Reihe an zum Teil seltenen, nacht- singenden Arten die man auf der Insel hören kann. Während weniger Nächte kann man mit der richtigen Planung ein mächtiges Nachtkonzert mit vielen Musikern erleben und, wenn man Glück hat, mit einem berühmten Gastsolist aus einem fernen Land.

hakedopping Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandRothalstaucher, © Lars Lundmark

Gräsand Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandStockente, © Lars Lundmark

Enkelbeckasin Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandBekassine, © Lars Lundmark

Årta Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandKnäkente, © Lars Lundmark

Das was die Insel auszeichnet um so viele Vogelarten beherbergen zu können sind die klein gehaltenen Flächen mit Landwirtschaft. Wiesen und Äcker werden von Hainen und anderen Waldinseln abgelöst, von Gräben und kleinen Gewässern, Steinmauern sowie Büschen und Gestrüpp von Wiesen-Kerbel. Dieses Mosaik an Naturarten bewirkt, dass man an einer Reihe von Orten reine Waldvögel hören kann und gleichzeitig Arten, die in Wiesengebieten heimisch sind. Eine Tour zu den Nachtvögeln sollte daher so geplant sein, dass so viele Naturtypen wie möglich vorkommen und gerne auch ein größeres Feuchtgebiet.

Hornuggla Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandWaldohreule, © Lars Lundmark

Die Stimmen des Frühlings

Schon im März kann es sich lohnen in der Abenddämmerung in den Wald zu gehen um den Stimmen zuzuhören, die der Waldschnepfe, der Singdrossel und der Eule gehören. Auf Öland kann man oft nur den Waldkauz und die Waldohreule hören und diese beginnen mit ihren Rufen bereits gegen Ende Februar.

Ab April fangen die Feuchtgebiete an, sich mit Geräuschen zu füllen. Wasserrallen und Rothalstaucher schreien wie am Spieß und Blässhühner gackern im Schilf. Stockenten, Knäkenten und Krickenten halten ein Schwätzchen im Dunkel der Nacht und vom Himmel hört man wiehernde Bekassinen in akrobatischem Balzflug. Anfang Mai kommen die ersten Teichrohrsänger hinzu und legen eine raue Geräuschkulisse über die Feuchtgebiete.

Kricka Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandKrickente, © Lars Lundmark

Vorsommernacht mit Knarren und Summen

Gegen Ende Mai und in den ersten beiden Juniwochen kulminiert das Nachtkonzert auf Öland. Jetzt dominieren die Nachtigallen die Nacht. Wenn es nur ein wenig Gehölz gibt, so kann man den Gesang aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig hören. Nach einer Weile lernt man den Gesang der Nachtigallen zu überhören und andere, nicht so laute Gesänge wahrzunehmen. Aus zugewachsenen Feuchtwiesen hört man das insektenartige Surren des Feldschwirls und der Sumpfrohrsänger aus dem Wiesenkerbel macht Gesänge nach. Draußen auf den Wiesen hört man Wachtelkönige und Wachteln und im Gehölz schnurrt der Ziegenmelker.

Mit ein wenig Glück wird das nächtliche Gericht durch einen mechanisch summenden Schlagschwirl gewürzt oder durch einen eher seltenen Gast aus dem Süden wie dem Rohrschwirl, dem Buschrohrsänger, der Zwergdrommel oder dem Kleinen Sumpfhuhn.

Busksångare Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandBuschrohrsänger, © Lars Lundmark

Buskskvätta Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandBraunkehlchen, © Lars Lundmark

Flodsångare Lars Lundmark Nattsångare ÖlandSchlagschwirl, © Lars Lundmark

Rörsångare Lars Lundmark Nattfåglar ÖlandTeichrohrsänger, © Lars Lundmark

Nach der Nacht kommt der Morgen

Eine Nacht unter den Nachtsängern auf Öland ist ein außergewöhnliches und mächtiges Erlebnis. Wenn man zur Morgendämmerung der aufkommenden Müdigkeit trotzt und noch ein wenig aushält, wird man erheblich belohnt. Zu erleben, wie die Nachtigallen allmählich, einer nach der anderen, aufhören zu singen und wie sie durch Braunkehlchen, Steinschmätzer und Singdrossel, von flötenden Großen Brachvögeln und warnenden Kiebitzen abgelöst werden, ist atemberaubend schön. Wenn die erste Lerche sich in den Himmel erhebt, ist es Zeit, zufrieden nach Hause zu fahren.

Ölands-fåglar-ÖOF Öland

Quelle: Ölands Fåglar © Ölands Ornitologiska Förening ÖOF (Verfasser dieses Kapitels: Håkan Alm, Anders Waldenström)

Übersetzung: Visitoland.com

Bilder: sehen Sie sich das jeweilige Bild an

Buch: Ölands Fåglar, 496 Seiten (Nur auf schwedisch), Kann bestellt werden bei: Naturbokhandeln
ISBN: 9789188124555